An sechs Terminen werden spannende Vorträge zum Thema „Stadtpolitik von unten“ stattfinden.
Diese Vortragsreihe soll theoretisches Wissen über Stadtentwicklung
vermitteln, Kämpfe und Widerstand gegen Aufwertung und Verdrängung in
anderen Städten aufzeigen, lokale Aktivist_innen miteinander vernetzen und
Strategien zur Diskussion stellen, wie wir uns hier und jetzt in Innsbruck
gegen Tendenzen der Verdrängung und Aufwertung wehren können, und wie eine
radikal andere Stadt aussehen könnte!
„mit uns ist niemals stadt zu machen“
Die Stadt ist der Lebensraum für mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Immer mehr Menschen werden in die Peripherie der Städte gedrängt, da sie für die kapitalistische Massenproduktion benötigt werden, und auch um als Abnehmer_innen das massenhafte Absetzen der produzierten Waren in Gang zu halten. Viele Menschen rund um den Globus folgen dem Traum der Konsumversprechen des Kapitalismus, der dann in den Gossen der Vorstädte versickert.
In Europa und den USA sind indes die „goldenen Zeiten“ des Sozialstaates und der hohen Löhne, die sich die Arbeiter_innen erkämpft haben, vorbei. Heute ist die Miete in prunkvollen Innenstädten und schicken Szenevierteln für viele nicht mehr oder nur mehr bedingt leistbar, aber auch Ausgehen und der Aufenthalt im öffentlichen Raum werden schwieriger. Immer mehr Menschen können sich die Dinge in den Auslagen, die ihnen täglich versprochen werden, nicht kaufen, ihre Lebensbedingungen verbessern sich nicht, obwohl immer mehr Reichtum geschaffen wird – das führt zu Unzufriedenheit. Somit stehen Stadtregierungen vor einer Herausforderung:
Einerseits soll das Absetzen der Waren gewährleistet werden, die Leute sollen aus dem harten Arbeitsalltag ausbrechen und abschalten können, um nach dem Wochenende wieder produktiv und fügsam zu sein. Andererseits soll das Ganze reibungslos ablaufen – Bettler_innen und Herumlungernde sollen die Passant_innen nicht beim Kaffeetrinken stören, dreckige und hässliche Menschen sollen die Konsumlaune nicht verderben. Aber vor allem muss verhindert werden, dass sich die Menschen einfach all die Dinge nehmen, die sie sich nie sonst leisten könnten. Damit der Ablauf der Profitmache bei der Aufrechterhaltung der Ungleichheiten in der Bevölkerung gewährleistet ist, wird es für die Herrschenden notwendig, die Bewohner_innen einer Stadt auf verschiedene Weisen zu kontrollieren:
Die Mauern um die Favelas in Rio, die Hafencity in Hamburg, und die Videoüberwachung in London sind nur die bekanntesten Beispiele dieser Machtausübung. Daneben gibt es soziale Kontrollmechanismen, die einige kleine Zugeständnisse für die Bewohner_innen einer Stadt bedeuten. Aber das sind kleine Veränderungen, die bewirken, dass sich im Großen nichts verändert. Sie treten gemeinsam mit den repressiven Teilen der Stadtpolitik auf – als zwei Seiten desselben Phänomens.
Diese „positiven“ Machtfaktoren umfassen die von den Sozialdemokrat_innen forcierten sozialen Wohnbauprojekte ebenso wie die Pseudomitbestimmung von Bürger_innen (Stuttgart 21) und das Zulassen kleinerer subkultureller Projekte, um ein wenig „Freiraum“ zu geben. Solange der städtische Alltag dadurch nicht allzu viel behindert wird, wird auch „Revolutionäres“ geduldet, vor allem wenn es sich vermarkten lässt. Im Gängeviertel in Hamburg wurde beispielsweise über die Vermarktung der dortigen subkulturellen Szene die Aufwertung des Stadtteils vorangetrieben, in Innsbruck wurde die pmk, ehemals subkulturelles Vorzeigeprojekt, mittels Subventionen und politischer Duldung gezähmt.
Auch hier in Innsbruck ist kapitalistische Aufwertung Realität, gleich wie ihre negativen Auswirkungen von Verdrängung und Ausgrenzung. In St. Nikolaus treibt Immobilienspekulation die Mieten hoch. Die Innenstadt verschwindet unter einem Mantel aus Beton und Glas, der Tourist_innen und zahlendes Publikum anziehen soll, für den Rest der Bewohner_innen aber Ausgrenzung zur Folge hat. Verbotszonen um den Bahnhof, den Landhausplatz und den Rapoldipark sowie die Videoüberwachung in der Bogenmeile dienen der Verdrängung unliebsamer Gruppen. Es gibt eine permanente Debatte um die Aufstockung der Sicherheitskräfte der Stadt, die auch vor so genannten linken Parteien wie der SPÖ und den Grünen nicht Halt macht (mehr Polizei, mehr Kompetenzen für private Sicherheitsdienste, Einrichtung der MÜG). Prestigebauprojekte und Großevents wie die die beiden Olympiaden in den 60ern und 70ern, die EURO 2008 und die Jugendolympiade 2012 prägen die Struktur unserer Stadt. Damals wie heute reißen diese Veranstaltungen riesige Löcher in das Stadtbudget zu Gunsten einer kleinen Elite, die daraus Profit schlägt!
So wollen wir nicht Stadt machen! Wir wollen nicht den Aufwertungs- und Standortinteressen der Stadt Innsbruck in die Hände spielen. Das Café DeCentral soll kein Ort sein, an dem wir billig Subkultur verkaufen, um die Profite der Reichen zu sichern. Wir weigern uns, mit unserer Arbeit eine solche Stadt zu stützen! Diese Vortragsreihe soll theoretisches Wissen über Stadtentwicklung vermitteln, Kämpfe und Widerstand gegen Aufwertung und Verdrängung in anderen Städten aufzeigen, lokale Aktivist_innen miteinander vernetzen und Strategien zur Diskussion stellen, wie wir uns hier und jetzt in Innsbruck gegen solche Tendenzen wehren können, und wie eine radikal andere Stadt aussehen könnte!
Die Termine:
Freitag, 18.02. – 20.00
Wir bleiben alle! Gentrifizierung und Widerstand
Vortrag/Diskussion mit Andrej Holm
Im Vortrag werden die Hintergründe und Wirkungsweisen städtischer
Aufwertungsdynamiken ebenso nachgezeichnet wie die Strategien von
Stadtteilbewegungen und Anti- Gentrification- Mobilisierungen.
-----------------
Sonntag, 20.02. -20.00
Stadt zwischen Kontrolle und Aneignung
Vortrag/Diskussion mit Ellen Bareis
Anhand der Analysefigur der „Gouvernementalität“ von Michel Foucault
sollen Governance- Strategien des Neoliberalismus behandelt werden, die
die kapitalistische Stadt formen. Es soll analysiert werden, was diese
Mechanismen für die Suche nach aktuellen Praktiken der sozialen Stadt
„from below“ bedeuten.
-----------------
Samstag, 26.02, -20.00
Empire St. Pauli (D 2009, Irene Bude/Olaf Sobczak )
Filmvorführung/Diskussion
Der Film zeigt die Aufwertung des berühmtesten Stadtviertels Hamburgs
anhand von fünfizig Interviews , die die Auswirkungen von Gentrifizierung
auf ansässige Menschen und ihre Lebenswelt dokumentieren.
------------------
Freitag, 11.03, -20.00
Kapitalismus und Wohnen
Vortrag/Diskussion mit Jürgen Mümken
Der Vortrag zeigt die historischen Zusammenhänge von Kapitalismus und
Wohnungspolitik/Wohnbau in der BRD. Über diese Verknüpfung soll auch die
Rolle von sozialen Kämpfen in Stadtteilen und um (Wohn)räume für die
kapitalistische Stadt dargestellt werden. Ihre Bedeutung für den
Widerstand gegen den Kapitalismus soll näher beleuchtet werden.
-------------------
Samstag, 19.03. – 20.00
Eine andere Stadt ist möglich
Podiumsdiskussion
Wie kann Stadt ohne Kapitalismus aussehen? Welche Widersprüche ergeben
sich für alternative Wohn- und Stadtteilprojekte innerhalb der
kapitalistischen Stadt? Welche Perspektiven haben ihre Kämpfe und wie
gestalten sich diese in der Praxis? Aktivist_innen aus verschiedenen
Projekten aus der näheren Umgebung erzählen.
--------------------
Samstag, 26.03. -19.00
Stadtstrukturierung, Kapitalismus und Widerstand in Innsbruck
Vortrag/Vernetzungsabend
Wie steht Innsbruck im Lichte der Inhalte dieser Vortragsreihe da? Welche
Perspektiven kann Stadtpolitik von unten hier haben? Wie kann die konkrete
Praxis aussehen? Ein kurzer Vortrag zur aktuellen Lage der Stadt soll der
Einstieg zur Vernetzung und zum Austausch von Aktivist_innen und
Interessierten sein, um in Opposition zu den herrschenden Verhältnissen
von unten in der Stadtpolitik mitzumischen…
1 Antwort auf „Vortragsreihe „mit uns ist niemals stadt zu machen““